Die Zukunft des Internets oder wie vernetzen wir das Lokale?

Autor: Patrick Breitenbach am 22.07.2009

Thomas Knüwer hat mich achtsam (nicht nur aufmerksam) werden lassen:

Es gibt eine Reihe Menschen, die sich derzeit fragen, ob es nicht etwas anderes geben müsste. Etwas Neues. Vielleicht eine Erklärung, ähnlich derer, die derzeit in manischer Hektik von Chefredakteuren und Geschäftsführern ohne weiteres Nachdenken unterzeichnet werden. Oder eine Gruppierung, die das Internet für Journalismus nicht als Feind begreift – sondern als riesige Chance.

Ich bin kein Journalist und doch schätze ich die früheren Grundprinzipien der Pressearbeit. Die “Presse”, war für mich immer

a) Spiegel der Welt. Eine erstrebte 1:1 Abbildung der Realität, beobachtet durch die kritischen, multiperspektivischen und investigativen Augen von Journalisten
b) eine zusätzliche vierte (Konroll-)Gewalt in freien demokratischen Staaten
c) ein Beruf der Sorgfalt, Neugierde und absolute Unabhängigkeit als Ideale voraussetzt.

Das nur dazu. Ich spare mir jetzt den Ist-Zustand. Könnte hämisch werden.

Ich bin also kein Journalist und fühle mich dennoch angesprochen von dem Thema, dass Thomas Knüwer angeschnitten hat. Warum? Weil ich allein schon als Identität Patrick Breitenbach, ein Interesse daran habe, dass die Qualität der Berichterstattung nicht ab- sondern zunimmt. Gerade das Internet und dessen unendlicher Raum (Server kosten ja kaum noch was – jedenfalls im Vergleich Druckmaschinen) bietet doch genug Fläche für vielfältige und sehr tiefe Inhalte. Wikipedia ist ein Lexikon, dass sich in Papierform niemals so hätte umsetzen lassen. Amazon ist ein Kaufhaus, dass es real, also lokal, wahrscheinlich nicht geben könnte, allein aus Platzmangel für die gesamte Auslage. Twitter ist eine Nachrichtenform, die derzeit das schnellste und breiteste Potenzial hat um mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Ich kenne keine Technologie, die das derzeit so überschaubar und dabei intensiv kann. Blogs sind eine gigantische Publikation, bestehend aus unzähligen Kommentaren, Meinungen, Blickwinkeln und Perspektiven von Individuen, die ihre Erfahrungen, ihr Können, ihre Kunst und Kultur mit anderen Menschen teilen möchten. Ein El Dorado für interessierte Menschen oder Forscher aus den Diziplinen kultur- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen.

Und Google?

Nun Google ist laut dem DJV, also dem Deutschen Journalisten Verband, der Existenzfeind Nummer 1. Warum? Nun Google ist einer der populärsten Eintrittstüren zu allen dort oben beschriebenen Anwendungen und Konsumaktivitäten geworden. Doch leider verwechselt der DJV die Suchmaschine und Softwarentwickler Google mit einem Meinungsmonopolisten. Die demagogische Aufforderung Google müsse man daher als Interessensvertretung von bedrohten Journalisten konzertiert – wenns geht gleich gesetzlich – bekämpfen, zeugt einfach nur von Unwissenheit dem Medium gegenüber – was ja an sich keine Schande ist, wenn man denn lernen will.

Google ist Meta – nicht Meinung. Google listet – publiziert nicht. Google gibt Antworten – stellt aber keine Fragen. All das sind nur kurze Impulse, die man weiterdenken kann und vor allem auch schnell sollte.

Es gibt eine Reihe Menschen, die sich derzeit fragen, ob es nicht etwas anderes geben müsste. Etwas Neues. Vielleicht eine Erklärung, ähnlich derer, die derzeit in manischer Hektik von Chefredakteuren und Geschäftsführern ohne weiteres Nachdenken unterzeichnet werden. Oder eine Gruppierung, die das Internet für Journalismus nicht als Feind begreift – sondern als riesige Chance.

Diese Gruppierung gibt es bereits. Sie wurde nur noch nie sichtbar gebündelt oder symbolisch fixiert. Es sind allerdings nicht nur Journalisten, die das Internet als riesige Chance und nicht als Feind begreifen sollten. Es sind alle, die heute um ihre Existenz oder Geschäftsmodell zittern müssen und GLEICHZEITIG das Internet als deren Miserenverursacher betrachten. Das hieße, da fallen dann auch Betriebe und Branchen darunter wie:

Kaufhäuser, Druckereien, Mediaplaner, Verlage, Telefonanbieter, Musikindustrie, Filmindustrie, Werber, Reisebüros, Kultureinrichtungen, Bildungseinrichtungen, Politik und so weiter und so weiter

Vielleicht sollte man einfach mal Menschen zusammentrommeln, die ein ähnliches Verständnis für das Internet haben und die müssten dann mal in Klausur gehen und am Ende entstehen vielleicht machbare und tolle Ideen. Es würde außerdem die Aufgabe eines solchen Kreises sein, Schnittstellen und Vernetzungsmöglichkeiten von Online- mit Offlinewelt zu entwickeln und kommunikativ voanzutreiben. Denn diejenigen, die potenzielle Chancen des Internets erkennen, stehen auch ein Stück weit in der Verantwortung die Menschen mitzunehmen und zu integrieren, die sich vom Internet derzeit so massiv bedroht fühlen. Doch ein Umdenken MUSS sowieso stattfinden. Und zwar wirklich radikal, denn die Technologie Internet hat ähnlich tiefgreifende Auwirkung auf die Gesellschaft, wie die Erfindung der Druckerpresse, der Dampfmaschine oder des Faustkeils. Momentan haben wir das Rad erfunden, hauen damit aber noch Nägel rein, weil wir vielleicht glauben, es sei nur ein anderes Hammerwerkzeug.

Der DJV hat einfach nur richtig Angst bzw. vertritt die kollektive Existenzangst seiner Mitglieder. Diese ängstlichen Gemeinschaften gilt es mitzunehmen. Diesen Gemeinschaften müssen neue Perspektiven aufgezeigt werden, damit sie lokal leben und global vernetzt denken und kommunizieren können. Es gibt da unendlich viel zu tun, vor allem muss sehr vieles parallel und Hand in Hand entstehen. Es ist eine tiefgreifende interdisziplinäre gesellschaftliche Umwälzung, die da stattfindet.

Also ich wäre gerne bei sowas dabei.