Führungskunst 1: Die “dunkle Seite” der Führung

Autor: Prof. Dr. Lutz Becker am 22.07.2009

Angesichts des bald startenden ersten Semesters im Masterstudiengang Leadership an der Karlshochschule werde ich hier in loser Reihenfolge einige interessante Beiträge zum Thema Führung vorstellen.

In den Büchern der Reihe “Die Neue Führungkunst – The New Art of Leadership” versuchen meine Mitherausgeber Johannes Ehrhardt, Walter Gora und ich Autoren zu Wort kommen zu lassen, die sich anders mit Führung auseinandersetzen, als man das gemeinhin erwarten würde. Einer dieser Autoren ist Dr. Johannes Wiele. Johannes kenne ich seit Mitte der 1990er Jahre. Er ist studierter Germanist und einer der bekanntesten deutschen IT-Jounalisten. Kennengelernt haben wir uns, weil wir uns, er als Journalist, und ich als Geschäftsführer eines Unternehmens der IT-Security Branche, intensiv mit Hackern und Computerviren auseinandergesetzt haben. Aus einem ersten Interview wurde über gemeinsame Auftritte auf Konferenzen ein regelmässiger Gedankenaustausch, der sich immer weiter von den technischen Problemen entfernte. Wir diskutierten uns darüber die Köpfe heiß, wie Menschen manipuliert werden, über Social Engineering und über Hacker wie Dark Avenger, Hagbard Celine oder Kevin Mitnick und mit Hackern, wie dem legendären und viel zu früh verstorbenen Wau Holland vom Chaos Computer Club. Neben seiner journalistischen Tätigkeit ist Johannes Wiele heute gefragter Teilnehmer auf zahlreichen Konferenzen und Lehrbeauftragter, z. B. an der Uni in Ulm. So konnte es auch nicht ausbleiben, dass wir Johannes Wiele einluden, einen Beitrag über die dunkle Seite der Führung zu schreiben.

In seinem Beitrag “Führung und Manipulation” greift Dr. Johannes Wiele das Problem Social Engineering bzw. Sozialkonstruktion auf, um zu zeigen, dass nicht nur Führungskräfte manipulieren, sondern dass sie auch selbst leicht Opfer von Manipulation werden können. Social Engineering nutzt bestimmte Konstanten im menschlichen Verhalten und hebelt darüber den Manipulierten aus. Diese Konstanten sind keine Schwächen, sondern Verhaltensmuster (Adaptionen), die in der menschlichen Evolution Selektionsvorteile gebracht haben, deren Nutzen man aber leicht ins Gegenteil verkehren kann. Die Mechanismen sind von der (evolutorischen) Psychologie gut dokumentiert, zum Beispiel: Reziprokität, Commitment und Konsistenz, soziale Bewährtheit, Sympathie, Autorität und Knappheit.

Wer diese Mechanismen kennt, ist in der Lage, andere Menschen für seine Zwecke zu manipulieren, aber er ist auch – als Führender und Geführter – in der Lage, Manipulationsversuche erfolgreich abzuwehren.

Johannes Wiele (2007); Führungskunst und Manipulation, in: Lutz Becker/Johannes Ehrhardt/Walter Gora (Hg.) Führungspraxis und Führungskultur, Düsseldorf (Symposion)

Website von Dr. Johannes Wiele