Auslandsstudium beim Bachelor

Autor: Prof. Dr. Andreas P. Müller am 10.07.2009

Die Süddeutsche titelt am 8.7. im Newsticker, dass beim Bachelor kaum Zeit beibe fürs Auslandsstudium. Ein weiterer Beitrag zu der Debatte um Bildungsreformen. Nur 15% der Bachelor machen Auslandserfahrungen, so der Artikel. Dabei liegt es doch bei den Hochschulen, die Programme genau so zu gestalten, dass das Auslandsstudium von vorneherein vorgesehen ist. Die Erasmus-Partnerschaften der großen Hochschulen sind zum Teil doch schon viele Jahre alt. Warum ist es nicht gelungen, mit den Partnern zu reden und im Sinne Bolognas die Mobilität der Studierenden zu fördern?

Wir haben an der Karlshochschule in zwei Studiengängen bei der letzten Novellierung den Schritt getan, von empfohlenen Auslandssemestern zu obligatorischen Auslandssemestern zu wechseln. Aus unserer Sicht ein sinnvolles und überfälliges Upgrade in der Ausbildung unserer Studierenden. Natürlich mussten wir hierzu Gespräche führen und unsere Learning Agreements, ob mit Paris, San Diego, Vancouver Island oder sonstwo, verbessern und detaillieren. Natürlich müssen wir unseren Service weiter verbessern und unsere Studierenden optimal vorbereiten und danach reintegrieren. Wir wollen ja sicher stellen, dass das Programm im Ausland in unserem Sinne weitergeht, unserem Anspruch genügt und den Studierenden nützt und nicht schadet.

Wer sich da über die Dichte der Programme beschwert und über den Verlust von Mobilität klagt und dann gleich die Rücknahme der Bolognareform fordert, der muss sich auch fragen lassen, weshalb er selbst nicht flexibel genug war, die eigenen Wünsche umzusetzen. Und im Übrigen sind es auch die Studierenden, die das wollen. Rund ein Drittel der Studierenden an der Karlshochschule gehen für eine bestimmte Zeit ins Auslandsstudium. Im nächsten Wintersemester sind es 31 Studierende. Ungefähr genauso viele kommen zu uns – aus sieben verschiedenen Ländern. Damit liegen wir über dem Bundesdurchschnitt aller Studiengänge. Insofern mag ich dem Gedanken, dass der Bachelor nicht mobil macht, nicht zustimmen. Bei mir bleiben Fragen offen.




  • Lutz Becker

    Ich kann mich ehrlich gesagt, nachdem ich jahrelang in Diplomstudiengängen gelehrt habe, mit Bachelor und Master sehr gut anfreunden. Für die wirtschaftswissenschaftlichen Studiengänge ist Bologna ein echter Gewinn – bei anderen Studiengängen, wie Ingenieurwesen, hätte ich da eher Bedenken. Klar ist, dass Bologna die Hochschullandschaft ziemlich durcheinander gewirbelt hat und noch ziemlich durcheinander wirbeln wird. Durch die zahlreichen neuen Möglichkeiten geht leider auch viel Transparenz verloren, was manche Studiernde und viele Arbeitgeber verunsichert. Es kommt heute bei Studiengängen entscheidend darauf an, was drinsteckt, nicht auf das was draufsteht. Die Würfel sind halt neu gemischt worden. Unsere Bachelor-Studiengänge sind, wie auch der Masterstudiengang, und da muss man auch unserem Akkreditierer (FIBAA) als Sparringspartner sehr dankbar sein, konsequent auf Internationalität und Interkulturalität ausgerichtet. Dank unseres “International Office” hat die Karlshochschule in kürzester Zeit exzellente Auslandskontakte aufgebaut und bietet zudem einen Service an, von dem andere Hochschulen nur zu träumen wagen. Das Interessante ist, dass viele Outbounds mit dem Kommentar zurückkehren, dass sie das Studium an der Karlshochschule als anspruchsvoller und gewinnbringender erleben, als das Studium an ausländischen Hochschulen. Nichtsdestotrotz würde (und sollte) niemand auf die tolle Erfahrung eines Auslandsstudiums verzichten wollen. Die Weichen sind, jedenfalls an der Karlshochschule, dafür gestellt.